Pfingstmontag

Zum Pfingstsonntag führt uns das Evangelium aus Johannes in einen verschlossenen Raum voller Angst.

Sylvio Krüger, Pfarrbriefservice

Die Jünger haben sich zurückgezogen, verunsichert und mutlos. Mitten hinein tritt der Auferstandene und spricht: „Friede sei mit euch!“ Dieser Frieden ist nicht nur ein beruhigendes Wort. Er ist die Kraft von Ostern, die Menschen verwandelt. Aus Angst wird Vertrauen, aus Rückzug wird Sendung.

Jesus bleibt nicht beim Frieden stehen. Er haucht die Jünger an und schenkt ihnen den Heiligen Geist. Damit gibt er ihnen eine neue Vollmacht: Sünden zu vergeben, Versöhnung zu stiften und Menschen wieder aufzurichten. Pfingsten bedeutet daher nicht nur Begeisterung oder innere Ergriffenheit. Der Heilige Geist macht fähig, das Leben anderer heller und freier zu machen. Der Heilige Geist öffnet Herzen, schenkt Mut zur Versöhnung und befähigt uns, Hoffnung und Frieden in die Welt zu tragen.

Gerade unsere Zeit braucht diese Gabe dringend. Vieles ist geprägt von Spaltung, Misstrauen und schnellen Urteilen. Menschen ziehen sich zurück, Beziehungen zerbrechen, gesellschaftliche Fronten verhärten sich. Auch die Kirche erlebt Unsicherheit und Veränderungen. Im Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“ spüren viele die Sorge, Vertrautes zu verlieren. Zugleich eröffnet sich die Chance, neu zu fragen: Wozu sendet uns Christus heute? Vielleicht geht es weniger darum, Strukturen zu bewahren, sondern darum, den Geist Gottes wirken zu lassen, der Türen öffnet und Menschen zusammenführt.

Der Auftrag Jesu bleibt hochaktuell: Christen sollen Menschen des Friedens sein. Die Vollmacht, die Christus schenkt, zeigt sich heute vielleicht weniger in großen Worten als in der Fähigkeit zuzuhören, Hoffnung zu wecken, Verantwortung zu teilen und Versöhnung möglich zu machen.

Pfingsten erinnert uns daran: Der Geist Gottes führt nicht in die Enge, sondern in eine lebendige Zukunft. Wo Menschen sich vom Geist bewegen lassen, kann Kirche neu wachsen — glaubwürdig, mutig und nah bei den Menschen sein.

 

Don Denis Mpanga 
(Italienische Gemeinde Göppingen)